Ein Erlebnisbericht
Als Sportwart bei der ADAC Rallye Deutschland
Okay, man wird schon manchmal schräg angesehen: „Du kommst die ganze Woche über morgens nicht aus dem Bett, aber wegen so ner Rallye kannst Du auf einmal um 5 Uhr nachts auf den Beinen sein?“
Die Antwort ist einfach: Das ist nicht einfach „so ne Rallye“! Und mit Vernunft ist das Engagement als Sportwart vielleicht eh nicht zu erklären. Es ist vielmehr die Faszination Motor- in diesem Falle speziell Rallye-Sport, die einen den Wecker stellen lässt.
Der WM-Zirkus zu Gast vor der eigenen Haustür, da muss man als Freund hochgezüchteter Rennwagen einfach dabei sein! Die Zweifel kommen, wenn der Wecker dann tatsächlich klingelt: „Oh mein Gott, was tue ich da?“
Klar, das Aufstehen fällt schwer, am Treffpunkt blickt man in verschlafene Gesichter. Und dann geht´s los. Im Konvoi fahren die engagierten Sportwarte zum Start, nehmen ihr Leibchen, die Flagge, Feuerlöscher und Funkgerät in Empfang. Dann werden die Posten bezogen – drei Stunden vor dem Start des ersten Teilnehmers, so wollen es die Statuten der WM.
Die Wartezeit weckt erneute Zweifel: die Postenkollegen kennt man jetzt, die Wege rundherum sind abgesperrt, der Funk steht und die wenigen ersten Zuschauer trudeln verhalten ein. Die Zeit will nicht vergehen.
Doch da – in der Ferne klingt das vertraute Heulen. Das „Rot-Fahrzeug“ ist unterwegs! Der Puls steigt, als dann auch noch das Flattern eines Helikopters zu hören ist. Die Rallyeleitung fliegt die Strecke ab, kontrolliert hier und da die Standorte der Fans und die Einsatzbereitschaft der Posten.
Per Handzeichen verständigt man sich und erkennt – vielleicht zum ersten Mal an diesem Tag: ICH bin ein Teil dieser Großveranstaltung! Ohne Leute wie MICH wäre der ganze Zirkus hier gar nicht möglich! Schon dröhnt der erste Vorwagen heran: der Motor heult, der Auspuff knallt, die Reifen quietschen.
VRRRROOOOOOM – das erste Auto fliegt vorbei. VRRRROOOOOOM – der nächste folgt schon bald. VRRRROOOOOOM. VRRRROOOOOOM. VRRRROOOOOOM.
Dann ist es soweit: der rote Citroen, der weiss-grün-blaue Ford, der blaue Subaru. Loeb. Grönholm. Solberg. Große Namen, die man aus der spärlichen Berichterstattung im Fernsehen kennt.
Und die die Fans jubeln und ihre Fahnen schwenken lassen. Die Luft brennt, es staubt, die Kameras klicken. Hubschrauber verfolgen das Geschehen von oben. Und ich bin mittendrin! DAS ist der Grund, warum ich sonntags morgens um halb Fünf aufstehe…
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